Heilpilze im Check: Reishi, Chaga & Löwenmähne
Mit KI generiertReishi, Chaga, Löwenmähne und Cordyceps sind die vier Namen, die in Drogerien, Online-Shops und Social-Media-Feeds am häufigsten auftauchen, wenn es um Pilze als Nahrungsergänzung geht. Sie stehen in der traditionellen chinesischen und japanischen Medizin teilweise seit Jahrhunderten in Gebrauch, und sie sind Gegenstand einer wachsenden Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen. Was aber in Studien untersucht wird und was auf Produktverpackungen versprochen wird, sind zwei verschiedene Dinge. Dieser Artikel schaut sich die vier Arten einzeln an – nüchtern und ohne Heilversprechen.
Die vier Pilze im Einzelnen
Reishi – der Glänzende Lackporling
Der Reishi (Ganoderma lucidum) ist ein holzbewohnender Porling mit auffällig lackartig glänzender, rotbrauner Oberseite. In Ostasien wird er als Lingzhi seit langem verwendet, in Deutschland kommt er in verwandten Formen ebenfalls vor – an Laubholzstümpfen, vor allem an Eiche.
Reishi ist zäh und holzig, also kein Speisepilz. Verwendet wird er traditionell als Absud oder Tee, in Präparaten meist als Extrakt oder Pulver. Untersucht wurden vor allem seine Polysaccharide und Triterpene, überwiegend in Zell- und Tierversuchen. Belastbare klinische Belege für konkrete Wirkungen beim Menschen sind bislang begrenzt; die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für Reishi keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen.
Zu beachten: Reishi kann die Blutgerinnung beeinflussen. Wer Blutverdünner nimmt oder eine Operation vor sich hat, sollte die Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Chaga – der Schiefe Schillerporling
Chaga (Inonotus obliquus) wächst als schwarze, verkrustete Masse an lebenden Birken, meist in kühleren Regionen. Er sieht eher wie ein Stück verbranntes Holz aus als wie ein Pilz. In Nordeuropa und Sibirien hat er eine lange Tradition als Teeaufguss.
Chaga enthält viele Antioxidantien und Melanine, was den meisten Forschungsinteresse ausgelöst hat. Auch hier: viele Laborbefunde, wenig aussagekräftige Humanstudien.
Ein konkretes Risiko sollte man kennen: Chaga hat einen bemerkenswert hohen Oxalatgehalt. Es sind Fälle beschrieben, in denen ein längerer, hoch dosierter Konsum mit Nierenschäden in Verbindung gebracht wurde. Für Menschen mit Nierenerkrankungen oder einer Neigung zu Nierensteinen ist Chaga daher nicht geeignet. Dazu kommt ein Nachhaltigkeitsproblem: Chaga wächst langsam und wird an Wildbeständen in großem Stil geerntet.
Löwenmähne – der Igelstachelbart
Die Löwenmähne (Hericium erinaceus) ist von den vier Arten die interessanteste für die Küche: Sie ist ein echter, wohlschmeckender Speisepilz mit fester, faseriger Struktur, die gebraten überraschend an Geflügel oder Meeresfrüchte erinnert. In Deutschland kommt sie wild an alten Laubbäumen vor, ist dort aber selten und geschützt – im Handel stammt sie praktisch immer aus Kultur, und die Zucht funktioniert gut.
Der Grund für ihre Popularität als Nahrungsergänzung sind Untersuchungen zu Inhaltsstoffen namens Hericenone und Erinacine, die im Labor Effekte auf Nervenwachstumsfaktoren zeigten. Es gibt einzelne kleine Humanstudien zu kognitiven Parametern, aber sie sind zu klein und zu heterogen, um daraus verlässliche Aussagen abzuleiten. Wer die Löwenmähne einfach als Pilz isst, macht ohnehin nichts falsch – sie ist schlicht lecker.
Cordyceps
Bei Cordyceps ist die Begriffslage besonders unübersichtlich. Traditionell gemeint ist Ophiocordyceps sinensis, ein Pilz, der Raupen in tibetischen Hochlagen parasitiert. Dieses Wildmaterial ist extrem teuer und wird bis zur Erschöpfung der Bestände gesammelt.
Was tatsächlich in Präparaten steckt, ist fast immer Cordyceps militaris, eine kultivierbare Verwandte, oder ein fermentiertes Myzel-Produkt. Untersucht wurde Cordyceps unter anderem im Zusammenhang mit körperlicher Leistungsfähigkeit; die Ergebnisse sind gemischt und die Studien meist klein.
Worauf man bei Präparaten achten sollte
- Fruchtkörper oder Myzel? Viele günstige Produkte bestehen aus Myzel auf Getreidesubstrat. Das Getreide bleibt im Pulver – der eigentliche Pilzanteil ist dann gering. Seriöse Anbieter geben an, welcher Teil verwendet wurde.
- Schadstoffe: Pilze nehmen Schwermetalle gut auf. Herkunftsangabe und Analysezertifikat sind ein Qualitätsmerkmal.
- Standardisierung: Angaben wie Beta-Glucan-Gehalt sagen mehr aus als reine Mengenangaben in Milligramm.
- Nachhaltigkeit: Kultivierte Ware ist bei Chaga und Cordyceps ökologisch deutlich vertretbarer als Wildsammlung.
Die nüchterne Einordnung
Heilpilze sind in Deutschland rechtlich Nahrungsergänzungsmittel, keine Arzneimittel. Für keinen der vier Pilze gibt es eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe – Werbeversprechen, die konkrete Heilwirkungen behaupten, sind entsprechend unzulässig. Sie ersetzen keine medizinische Behandlung, und wer eine Erkrankung hat oder Medikamente nimmt, sollte die Einnahme vorher ärztlich abklären. Bei Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern gilt Zurückhaltung, weil belastbare Daten fehlen.
Das Interessanteste an diesen Pilzen ist vielleicht ohnehin nicht das Präparat, sondern der Pilz selbst: Löwenmähne in der Pfanne, Reishi als Absud, Cordyceps militaris als leuchtend orange Kuriosität auf dem Zuchtblock. Als Lebensmittel und Kulturgeschichte sind sie in jedem Fall eine Beschäftigung wert.