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Pilze sammeln in den Alpen: Höhenlagen & Arten

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Pilze sammeln in den Alpen: Höhenlagen & ArtenMit KI generiert

Pilze sammeln im Gebirge ist etwas anderes als im Flachland. Die Saison ist kürzer und liegt anders, das Artenspektrum verschiebt sich mit jedem Höhenmeter, das Wetter ist unberechenbarer – und in den Alpen kommen je nach Land und Region Sammelregeln dazu, die es sonst nirgends gibt. Wer das einplant, erlebt eine der schönsten Formen des Sammelns.

Die Höhenstufen und ihre Arten

Das Entscheidende im Gebirge ist die Höhenstufe. Sie bestimmt Baumarten, Bodentemperatur und damit Saison und Artenspektrum.

Montanstufe, etwa 800 bis 1400 Meter

Fichten-Tannen-Buchenwälder, die produktivste Zone. Hier findet man das klassische Herbstspektrum, nur eben zwei bis vier Wochen früher als im Tal: Fichtensteinpilz, Maronenröhrling, Pfifferling, Semmelstoppelpilz, Krause Glucke an Kiefernstümpfen, Reizker unter Fichte. Wo Lärchen stehen, kommt der Goldröhrling dazu – ein Schmierröhrling, der ausschließlich mit Lärche eine Symbiose bildet und deshalb ein guter Standortzeiger ist.

Subalpine Stufe, etwa 1400 bis 2000 Meter

Lichtere Fichten-, Lärchen- und Zirbenbestände, oft mit dicken Moos- und Zwergstrauchpolstern. Die Saison ist deutlich kürzer und liegt früher – im Hochsommer bis Frühherbst. Steinpilze wachsen hier bis an die Waldgrenze, dazu Rotkappen bei Zwerg- und Grünerlen, Elfenbeinröhrlinge und verschiedene Schnecklinge. Die Fruchtkörper sind oft kleiner, aber häufig maden- und schneckenfrei, weil es zu kühl für starken Insektendruck ist.

Almen und alpine Rasen

Über der Waldgrenze verschwinden die Mykorrhiza-Pilze der Bäume, und die Weide- und Wiesenpilze übernehmen. Auf Almflächen wachsen Nelken-Schwindling in Hexenringen, Schopftintlinge, Wiesenchampignons und die farbenprächtigen Saftlinge. Letztere sind ökologisch bedeutsam, teils selten und gehören besser fotografiert als gesammelt – artenreiche Magerweiden mit Saftlingen sind schützenswerte Lebensräume.

Die Regeln: von Tal zu Tal unterschiedlich

Das ist der Punkt, an dem im Alpenraum die meisten Fehler passieren. Es gibt keine einheitliche Regelung, und die Unterschiede sind erheblich:

  • Im deutschen Alpenraum gilt die Handstrauß-Regelung wie im übrigen Bundesgebiet, in Bayern mit der üblichen Orientierung um zwei Kilogramm pro Person und Tag. In den Nationalparks regelt die jeweilige Verordnung die Details.
  • In Österreich ist das Sammelrecht am Grundeigentum orientiert. Verbreitet sind Mengenbegrenzungen um zwei Kilogramm pro Person und Tag, und einige Bundesländer schränken zusätzlich ein – etwa durch Tageszeiten-Regelungen oder gebietsweise Sammelverbote.
  • In der Schweiz ist es kantonal geregelt. Mehrere Kantone haben Mengenbegrenzungen und teils Schonzeiten, in denen zu Beginn eines Monats gar nicht gesammelt werden darf. Auch kommunale Schutzgebiete mit vollständigem Sammelverbot sind verbreitet.
  • In Südtirol und Norditalien gibt es vielfach Genehmigungspflichten, festgelegte Sammeltage und Mengengrenzen, teils mit kostenpflichtigen Sammelkarten.

Diese Regelungen ändern sich und unterscheiden sich lokal. Vor einer Sammeltour über der Grenze gehört der Blick auf die Website der zuständigen Gemeinde, des Kantons oder der Landesforstverwaltung dazu. Bußgelder und Beschlagnahmungen sind im Alpenraum keine Seltenheit, und Unwissenheit hilft nicht.

Bergspezifische Praxis

  1. Wetter ernst nehmen. Im Gebirge kann ein sonniger Vormittag in ein Gewitter mit Temperatursturz übergehen. Wetterbericht, Regenschutz, warme Schicht und eine Notfallreserve gehören in den Rucksack – auch für eine kurze Tour.
  2. Nicht im Steilgelände suchen. Pilze im Hangwald verleiten dazu, querzugehen. Nass, rutschig und mit Blick nach unten statt nach vorn ist das eine der häufigsten Unfallursachen bei Sammlern.
  3. Weidevieh respektieren. Mutterkühe mit Kälbern reagieren auf Hunde. Hund anleinen, Abstand halten, Weidezäune nach dem Durchgehen wieder schließen.
  4. Frühe Saison einplanen. Im Gebirge kann der Höhepunkt schon im August liegen, während im Tal noch nichts wächst. Umgekehrt beendet der erste Frost die Saison oben deutlich früher.
  5. Cäsium beachten. Auch in Teilen des Alpenraums sind bei einzelnen Arten erhöhte Cäsium-137-Werte messbar. Arten und Regionen wechseln, Portionen begrenzen.
  6. Kein Netz einplanen. Offline-Karte vorher laden, Route jemandem mitteilen.

Der Lohn ist beträchtlich: kaum Konkurrenz, wenig Madenbefall, Fruchtkörper von einer Qualität, die man im vielbesuchten Flachlandwald selten findet – und eine Aussicht, für die andere ohne Korb aufsteigen.