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Pilze sammeln in NRW: Regeln, Wälder, Reviere

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Pilze sammeln in NRW: Regeln, Wälder, ReviereMit KI generiert

Nordrhein-Westfalen gilt nicht als klassisches Pilzland – zu dicht besiedelt, zu industriell. Der Ruf täuscht: Etwa ein Viertel der Landesfläche ist Wald, und die Standorte sind erstaunlich vielfältig. Vom sandigen Kiefernwald der Senne bis zum Buchenhochwald des Rothaargebirges liegen Welten. Was NRW von Bayern unterscheidet, ist weniger die Pilzmenge als der Besucherdruck.

Die rechtliche Lage

Das Betretungsrecht regelt in NRW das Landesforstgesetz: Wälder dürfen zum Zweck der Erholung betreten werden. Für das Mitnehmen greift wie überall die Handstrauß-Regelung des Bundesnaturschutzgesetzes – Pilze in geringen Mengen für den eigenen Bedarf.

Als Orientierung für die „geringe Menge" wird in NRW häufig etwa ein Kilogramm pro Person und Tag genannt, teilweise auch bis zu zwei. Der Wert ist nirgends bundesweit fixiert; wer sich an einem Kilo orientiert, ist auf der sicheren Seite. Gewerbliches Sammeln oder Verkauf ist ohne Erlaubnis des Waldbesitzers nicht zulässig.

Klare Verbote gelten für:

  • Den Nationalpark Eifel – dort ist das Sammeln und Entnehmen von Pflanzen und Pilzen untersagt. Der Park ist zum Wandern großartig, zum Sammeln nicht vorgesehen.
  • Naturschutzgebiete und Naturwaldzellen – die jeweilige Schutzgebietsverordnung ist verbindlich, Infotafeln am Eingang beachten.
  • Eingezäunte Flächen, Schonungen, gesperrte Bereiche.
  • Privatwald ohne Erlaubnis, was in NRW mit seinem hohen Privatwaldanteil praktisch relevanter ist als in Ländern mit viel Staatswald.

Ein NRW-Spezifikum: Nach den Stürmen und dem Borkenkäferbefall der letzten Jahre gibt es großflächige Kalamitätsflächen und viel Holzeinschlag. Sperrungen sind dort keine Formalität – abgestellte Polter, instabile Kronen und Maschinenverkehr sind echte Gefahren.

Die Reviere

NRW lässt sich für Sammler grob in fünf Landschaften teilen:

  • Eifel: Buchen- und Fichtenwälder auf teilweise vulkanischem Untergrund. Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge und im Kalkbereich der Nordeifel ein reiches Laubwaldspektrum. Der Nationalpark selbst ist ausgenommen, die umliegenden Wirtschaftswälder nicht.
  • Sauerland und Rothaargebirge: die höchsten Lagen des Landes, viel Fichte, hohe Niederschläge. Zuverlässig feucht und damit auch in trockenen Jahren ergiebig. Fichtensteinpilz, Marone, Semmelstoppelpilz, Krause Glucke.
  • Bergisches Land: kleinteilig gemischt, viele Bachtäler mit feuchten Mikroklimata. Gut für Pfifferlinge und Trompetenpfifferlinge in Moospolstern.
  • Teutoburger Wald und Senne: zwei sehr unterschiedliche Nachbarn. Der Teutoburger Wald bietet Kalk- und Sandsteinstandorte mit Buche, die Senne sandige Kiefernheide – klassisches Maronen- und Butterpilzgebiet. Wichtig: Teile der Senne sind militärisches Übungsgelände und nicht zugänglich.
  • Niederrhein und Münsterland: Kiefernforste auf Sand, Laubwaldinseln, viel Weideland. Neben Röhrlingen sind hier die Wiesenpilze interessant – Parasol, Wiesenchampignon, Riesenbovist auf beweideten Flächen (immer mit Erlaubnis des Bewirtschafters).
  • Stadtnahe Wälder wie Kottenforst, Königsforst oder die Ville-Wälder auf rekultivierten Braunkohleflächen sind ergiebig, aber stark besucht. Wer dort sammeln will, muss früh dran sein.

Worauf man in NRW besonders achten sollte

Radiocäsium ist kein großes Thema. Der Tschernobyl-Fallout traf vor allem Süddeutschland; NRW ist davon nur gering betroffen. Der Blick auf die Messwerte des Bundesamts für Strahlenschutz beruhigt hier eher, als dass er warnt.

Schwermetalle und Altlasten sind das relevantere Thema. In einem Land mit langer Industriegeschichte gilt: nicht auf Halden, nicht auf ehemaligen Industrie- und Deponieflächen, nicht direkt an stark befahrenen Straßen sammeln. Pilze nehmen Cadmium, Blei und Quecksilber gut auf, und einige Arten – etwa Riesenschirmlinge – tun das besonders effektiv. Ein Waldstück, das aussieht wie Wald, kann eine rekultivierte Altfläche sein; im Zweifel woanders sammeln.

Besucherdruck einplanen. In der Metropolregion sind die bekannten Wälder am Sonntagvormittag ein Ausflugsziel für Tausende. Wer werktags, früh morgens oder in weniger prominenten Waldstücken sucht, findet deutlich mehr.

Pilzberatung nutzen. Auch in NRW gibt es ehrenamtliche Pilzsachverständige und Pilzvereine, die Bestimmungsabende und Wanderungen anbieten. Für Einsteiger ist das der schnellste Weg zu sicherem Wissen – und in einem dicht besiedelten Land auch die beste Quelle für Reviertipps, die nicht in jedem Forum stehen.

Die Grundregel bleibt überall gleich: nur essen, was zweifelsfrei bestimmt ist.