Pilzkalender für Sommer und Herbst
Mit KI generiertDie Pilzsaison ist keine feste Größe. Sie verschiebt sich mit Höhenlage, Region, Bodenfeuchte und Witterung um Wochen in beide Richtungen. Trotzdem gibt es eine verlässliche Reihenfolge: Die Arten erscheinen jedes Jahr in derselben Abfolge, nur eben früher oder später. Wer diese Abfolge kennt, weiß, worauf er im jeweiligen Monat achten muss – und vor allem, wonach es sich gerade nicht zu suchen lohnt.
Der Monatsüberblick
Juni und Juli: der leise Start
Der Frühsommer ist der am meisten unterschätzte Teil der Saison. Es gibt weniger Arten, aber deutlich weniger Konkurrenz im Wald.
- Sommersteinpilz: Der erste Steinpilz des Jahres, mit deutlich feiner rissiger Huthaut. Erscheint in Laubwäldern unter Eiche und Buche, oft schon ab Ende Mai.
- Pfifferling: Beginnt bei ausreichender Feuchtigkeit im Juni und begleitet einen dann bis in den Oktober.
- Perlpilz: Guter Speisepilz mit gefährlichen Verwandten – nur für Sammler, die Perlpilz und Pantherpilz sicher trennen können.
- Parasol und Safranschirmling: Auf Wiesen, Weiden und an Waldrändern, ab Juli.
- Rotkappen und Birkenpilze: Die Raufußröhrlinge kommen früh und halten lange durch.
Der Juli ist häufig der Monat, in dem Hitze das Wachstum bremst. Wenn es warm und trocken ist, lohnt sich vor allem der Blick in kühle Nordhänge und feuchte Senken.
August: die Saison zieht an
Mit den ersten kühleren Nächten und dem typischen Spätsommer-Landregen beginnt die eigentliche Hauptsaison.
- Maronenröhrling: Der zuverlässigste Röhrling des Nadelwaldes, ab August in Massen möglich.
- Steinpilz: Der Fichtensteinpilz setzt ein und bleibt bis in den Oktober.
- Krause Glucke: Am Fuß alter Kiefern, von August bis Oktober. Aufwendig zu putzen, kulinarisch außergewöhnlich.
- Butterpilz und Sandröhrling: In jungen Kiefernbeständen, oft in großen Gruppen. Beim Butterpilz die schleimige Huthaut abziehen.
- Semmelstoppelpilz: Unverwechselbar durch die Stacheln unter dem Hut, sehr gut haltbar.
- Riesenbovist: Auf Wiesen, jung mit reinweißem Innenfleisch – ein spektakulärer Fund.
September: der Höhepunkt
Der September ist statistisch der beste Pilzmonat. Bodentemperatur und Feuchtigkeit passen für die meisten Arten gleichzeitig.
- Steinpilz, Marone und Pfifferling stehen zusammen im Wald.
- Hallimasch: Büschelig an Stümpfen und Wurzeln. Nur gut durchgegart essbar, das erste Kochwasser wird abgegossen. Auch dann noch nicht von allen verträglich.
- Trompetenpfifferling und Herbsttrompete: Beide gerne in Moos und Laub versteckt, oft in großen Beständen – wer eine Stelle findet, findet meist viele.
- Reizker: Der Edelreizker unter Kiefer, mit charakteristisch orangefarbener Milch.
- Violetter Rötelritterling: Beginnt im späten September und hält bis in den Frost.
- Riesenschirmling und Nebelkappen erscheinen in großen Ringen und Reihen – bei der Nebelkappe ist Vorsicht angebracht, sie wird von vielen Menschen nicht vertragen.
Oktober und November: der lange Ausklang
Die Artenzahl nimmt ab, aber einige der besten Pilze kommen erst jetzt.
- Herbsttrompete und Trompetenpfifferling erreichen ihren Höhepunkt.
- Graukappe und Rötelritterlinge stehen bis zum ersten strengen Frost.
- Austernseitling: Beginnt nach den ersten Kältereizen, an Laubholz, vor allem Buche.
- Frostschneckling und Winterpilz leiten in die kalte Jahreszeit über.
- Judasohr: Ganzjährig an Holunder, im Winter besonders auffällig.
Ein leichter Frost über Nacht macht bereits gewachsene Fruchtkörper glasig – solche Pilze bleiben stehen, auch wenn sie äußerlich intakt aussehen.
So nutzt du den Kalender richtig
- Als Reihenfolge lesen, nicht als Datum. Wenn Maronen kommen, sind Steinpilze nicht weit.
- Zwei Wochen Vorlauf einrechnen: Der Regen von heute füllt den Korb in zehn bis zwanzig Tagen.
- Höhenlage abziehen oder addieren: Im Bergwald verschiebt sich alles nach vorn und endet früher.
- Eigenen Kalender führen: Datum, Ort, Art, Wetterlage. Nach zwei Saisons ist das genauer als jede allgemeine Tabelle.
- Verwechslungspartner der jeweiligen Monatsarten vorher nachlesen. Jede Art hat ihre eigenen Doppelgänger, und die kommen zur gleichen Zeit.
Und unabhängig vom Monat gilt: Was nicht zu hundert Prozent sicher bestimmt ist, bleibt im Wald.